{"id":1118,"date":"2018-08-23T23:34:48","date_gmt":"2018-08-23T21:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/mietkatze.de\/wordpress\/?p=1118"},"modified":"2018-10-20T18:11:36","modified_gmt":"2018-10-20T16:11:36","slug":"noch-eine-kurzgeschichte-work-in-progress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mietkatze.de\/?p=1118","title":{"rendered":"Noch eine Kurzgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Verdammter Mist&#8220;\u00a0 Clarks Entt\u00e4uschung der letzten Monate brach in einer f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse\u00a0 gewaltigen Explosion aus ihm raus.\u00a0 Er war kurz davor\u00a0 sein Steuerger\u00e4t gegen eine Wand zu werfen, fasste sich aber schnell genug wieder.\u00a0 Ein Neues zu bauen h\u00e4tte ihn wieder einen Monat zur\u00fcckgeworfen.\u00a0 Er hatte schon oft \u00fcberlegt, es durch ein normales Tablett auszutauschen.\u00a0 Das h\u00e4tte aber nur unsinnigen Aggressionsausbr\u00fcchen Vorschub geleistet. Und die brachten ihn auch nicht weiter.\u00a0 So stand er nun &#8211; wie so oft in letzter Zeit &#8211; in seiner Garage und starrte auf den Fleck, wo vor 2 Minuten noch der Apfel lag. Der gleiche Fleck, wo der Apfel seinen Berechnungen folgend schon seit einer Minute wieder liegen m\u00fcsste.\u00a0 Er hatte all seine Ersparnisse und knapp 10 Jahre seines Lebens geopfert f\u00fcr ein Ding, dass \u00c4pfel verschwinden lassen kann. Die Nachbarstochter hatte sich das Gleiche mit weniger als einem Monat quengeln erarbeitet. Und im Gegensatz zu seiner Maschine gab ihr Pferd die \u00c4pfel wenigstens\u00a0 nach ner Weile wieder raus, wenn auch nicht in brauchbarer Form.\u00a0 Aber alles w\u00e4re ihm lieber gewesen, als immer auf diesen leeren Fleck zu starren.<\/p>\n<p>Zeitreisen! Er hatte sie gefunden, entwickelt und eine Maschine daf\u00fcr gebaut.\u00a0\u00a0 Die Berechnungen waren elegant und 100 mal gepr\u00fcft.\u00a0 \u00a0Nicht das es notwendig gewesen w\u00e4re.\u00a0 Jeder Achtkl\u00e4ssler, die Nachbarstochter und vielleicht ihr Pferd h\u00e4tten die\u00a0 Zahlen in die Formel einf\u00fcgen und zu den richtigen Einstellungen kommen k\u00f6nnen.\u00a0 Die Methode erlaubte es auch, negative Zahlen zu verwenden, das Reisen in die Vergangenheit war also auch m\u00f6glich.\u00a0 Selbst mit imagin\u00e4ren Zahlen gab ihm das System sinnvolle und oft sogar ganzzahlige Ergebnisse aus. Auch wenn Clark sich bisher nicht recht vorstellen konnte, was das zu bedeuten hatte.\u00a0 Aber damit konnte er sich noch sp\u00e4ter besch\u00e4ftigen. Alle Messungen waren eindeutig und zeigten, dass die Maschine genau entsprechend der eingegebenen Parameter funktionierte.\u00a0 Und der verfluchte Apfel verschwand schlie\u00dflich jedes mal in einem Wirbel von Licht, gefolgt von einem sich zu einem leichten Knall aufbauschenden Zischen. Ein beeindruckender Effekt f\u00fcr einen Zauberer.\u00a0 F\u00fcr jemanden der eine Zeitmaschine entwickelt und selbst gebaut hat, war das als Endergebnis aber eher unbefriedigend.<\/p>\n<p>Die Experimente mit der Vergangenheit sahen nicht viel anders aus. Nur das das Starren auf deinen leeren Fleck\u00a0 vor dem eigentlichen Experiment begann und mit jeder verstreichenden Sekunde die Unsicherheit erh\u00f6hte.\u00a0 &#8222;Ist etwas schief gegangen?&#8220; &#8222;Ist etwas dazwischen gekommen?&#8220; &#8222;Hat es Verz\u00f6gerungen gegeben?&#8220;\u00a0 \u00a0In der Vergangenheitsform \u00fcber die Zukunft zu denken wirkte mittlerweile vollkommen nat\u00fcrlich f\u00fcr Clark.<\/p>\n<p>Er hatte sich in Folge einer besonders frustrierenden Serie von Vergangenheits-Experimenten, bei denen ihn Susan immer wieder wegen irgendwelchen dummen Sternschnuppen nervte, mal eine Auszeit von seinen Experimenten genommen.\u00a0 Dazu hatte er sich abends zu Susan gesetzt und mit ihr zusammen auf Sternschnuppen gewartet. Dabei hatte er sich \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Auswirkungen seiner Entdeckung Gedanken gemacht. Dies f\u00fchrte unter anderem zu der Einsicht, dass es am einfachsten war, die Zeit immer relativ zum Betroffenen zu sehen. Somit sparte man sich neue Zeitformen, wie Douglas Adams sie einst spa\u00dfeshalber einf\u00fchrte. Selbst wenn man anfangs vielleicht ab und zu \u00fcberlegen musste, wer grade eigentlich der Betroffene war. Jedenfalls machte es die Entt\u00e4uschung jedes mal noch gr\u00f6\u00dfer, wenn er nach\u00a0 vergeblichem Warten, dann doch das Experiment durchf\u00fchrte und alles wie vorgesehen funktionierte.<\/p>\n<p>Er hatte auch schon Stunden und Tage, ja sogar Jahre ausprobiert. All dies war problemlos m\u00f6glich und kostete auch nicht nennenswert mehr Energie. Es kostete nat\u00fcrlich &#8222;etwas&#8220; mehr und genau dieses vorberechnete Etwas fand sich auch in seinen Instrumenten.\u00a0 Auch 10 und 5 Sekunden hatte er probiert, darunter zu gehen machte keinen Sinn. Der Vorgang dauerte selbst ca 3 Sekunden und das eine Mal, bei dem er 0 Sekunden eingab, kullerte der Apfel nur stumpf vom Tisch nachdem das Leuchten verschwunden war.<\/p>\n<p>Inzwischen war er mit seinem Latein am Ende.\u00a0 Gut, mit Latein hatte Clark es zugegebenerweise nie.\u00a0 Aber wirklich weiter kam er dennoch nicht.\u00a0 Anfangs hatte er noch bei jedem Experiment darauf gewartet, dass eine \u00e4ltere Version von ihm selbst oder ein anderer Zeitreisender in den Raum tritt und applaudiert oder ihm wenigstens f\u00fcr das Geschaffte gratuliert.\u00a0 Nichts von dem war je passiert. Vielleicht lag es ja daran, dass er es einfach noch nicht selbst getan hatte.\u00a0 Kurzentschlossen r\u00fcckte er den Tisch bei Seite und gab die Parameter in sein Steuerger\u00e4t ein:\u00a0 \u00a0Ein W\u00fcrfel mit 2 Meter Kantenl\u00e4nge beginnend am Boden, wo grade noch der Tisch stand.\u00a0 Zeitspanne = -2 Minuten. Countdown = 5 Minuten. Start!<\/p>\n<p>Die Zeit verging beinahe qu\u00e4lend langsam. Tr\u00e4ge schleppten sich die Sekunden dahin. 4:50.\u00a0 Clark rechnete nicht damit, sich selbst gleich im Raum erscheinen zu sehen. Es war mehr eine Mischung aus Neugier und Verzweiflung. 4:40.\u00a0 Welche andere Methode, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, sollte es hier noch geben? Irgendwohin verschwanden alle Sachen und Lebewesen, auf die er die Maschine anwendete. Und er wollte endlich wissen wohin.\u00a0 4:30. Warum hatte er den verdammten Countdown auf 5 Minuten gestellt?\u00a0 So w\u00fcrde das ja noch ewig dauern.\u00a0 4:25. Clark \u00fcberlegte kurz, ob er irgendwelche Vorsichtsma\u00dfnahmen ergreifen sollte, aber bei dem was er grade vor hatte, w\u00e4re es l\u00e4cherlich gewesen, sich irgendwie sch\u00fctzen zu wollen. 4:15.\u00a0 Es war ein buchst\u00e4bliches Himmelfahrtskommando und dessen war sich Clark auch vollkommen bewusst.\u00a0 4:10.\u00a0 Wenn die Zeit noch langsamer verlief, w\u00fcrden die Uhren r\u00fcckw\u00e4rts gehen.\u00a0 4 Minuten!\u00a0 Noch 2 Minuten bis ganz sicher nichts geschehen w\u00fcrde, so wie immer.\u00a0 Noch 1:50 bis in dem von Ihm festgelegten Bereich kein Clark auftauchen w\u00fcrde, um ihn freudestrahlend in die Arme zu schlie\u00dfen.\u00a0 \u00a0Noch 1:40 bis er wieder die ihm so vertraut gewordene Entt\u00e4uschung sp\u00fcren w\u00fcrde. Noch 1:30.\u00a0 1:29.\u00a0 1:28. 27. 26. 25. 25. Immer noch verdammte 25. Diese Sekunde hatte es wirklich auf ihn abgesehen und hatte anscheinend vor, ihn f\u00fcr alle Ewigkeit zu begleiten. Das tat sie dann aber gl\u00fccklicherweise doch nicht.\u00a0Clark versuchte sich zu entspannen und sah nicht mehr auf die Uhr. Sich selbst verr\u00fcckt zu machen, brachte ihn nun auch nicht weiter. Leicht gesagt! Er war schlie\u00dflich grade dabei, sein Leben f\u00fcr seine Entdeckung zu riskieren.\u00a0 Daf\u00fcr, vielleicht eine Erkenntnis zu gewinnen, die ihm Aufschluss dar\u00fcber gab, was die ganze Zeit schief lief. Irgendein kleiner Hinweis. Ein sto\u00df in die richtige Richtung. Den Rest w\u00fcrde er schon machen.<\/p>\n<p>Die Zeit war um.\u00a0 2 Minuten bis zur Aktivierung der Zeitmaschine.\u00a0 Und nichts geschah.\u00a0 \u00a0Nat\u00fcrlich nicht.\u00a0 Warum sollte es diesmal auch anders sein.<\/p>\n<p>Wobei eigentlich eine ganze Menge passierte. Allerdings bekam davon nur ein Clark etwas mit. N\u00e4mlich der Clark, der erst umgeben von schimmernden Lichtern auf einmal in der kalten Dunkelheit des Alls landete.\u00a0 Dort nahm er neben dem \u00fcberw\u00e4ltigendem Dr\u00f6hnen der unendlichen und absoluten Stille in weiter Ferne einen kleinen Kreis wahr, der aber stetig gr\u00f6\u00dfer wurde. Clark dachte immer, das man, ins All gesto\u00dfen, innerhalb von wenigen Sekunden tot sei. Da er seit Beginn seiner &#8222;Reise&#8220; die Luft anhielt und angesichts der neuen Umgebung auch nicht damit aufzuh\u00f6ren gedachte, merkte er deutlich, dass dem scheinbar nicht so war. Dennoch blieb ihm nicht lange,\u00a0 soviel war sicher.<\/p>\n<p>Er war hier heraus gekommen, um zu verstehen, was mit seiner Maschine falsch war, selbst wenn es das Letzte w\u00e4r, das er tat.\u00a0 Es w\u00fcrde das Letzte sein, was er tat! Also hatte Clark noch eine Aufgabe zu erf\u00fcllen, und vielleicht hatte er ja Gl\u00fcck und w\u00fcrde genug Informationen zusammenbekommen, um eine Theorie zu entwickeln.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfer werdende Kreis war wohl die Erde, auf die er sich in scheinbar grader Linie\u00a0 zu bewegte.\u00a0 Die Wachstumsrate w\u00fcrde in den n\u00e4chsten 1-2 Minuten daf\u00fcr sorgen, dass die Erde sein gesamtes Sichtfeld ausf\u00fcllte. Mit anderen Worten w\u00fcrde er sie dann erreicht haben und letztendlich in der Atmosph\u00e4re vergl\u00fchen. Keine sch\u00f6ne Aussicht. In diesem Moment wurde Clark allerdings klar, dass nicht er sich auf die Erde zu bewegte, sondern anders rum.\u00a0 Und damit war ihm auch klar, was das zu bedeuten hatte. Zeit und Raum waren zwar untrennbar mit einander verbunden. Allerdings war die Zeit \u00fcberall im Raum g\u00fcltig. Und wenn\u00a0 seine Maschine etwas in der Zeit bewegte, dann passierte das ohne das Zeit-Analog von Tr\u00e4gheit oder Beschleunigung. Und fatalerweise ohne die Position im Raum zu ver\u00e4ndern. So schwebte er nun an genau der Stelle im Raum, wo er kurz zuvor noch in das Feld getreten war.<\/p>\n<p>Die Erde, hat allerdings nicht die M\u00f6glichkeit still zu halten und dreht sich zum einen mit \u00fcber 1.000 km in der Stunde um sich selbst. Wobei das nichts ist gegen die 100.000km in der Stunde die sie bei ihrer Reise um die Sonne durchschnittlich zur\u00fccklegt.\u00a0 Und dabei sehen wir von den gut 1.000.000km in der Stunde ab, die die Sonne inklusive des ganzen Sonnensystems auf ihrem Weg um das Zentrum der Milchstra\u00dfe zur\u00fccklegt. Und so weiter.<\/p>\n<p>Clark kannte nat\u00fcrlich nicht die genauen Zahlen. Aber er verstand es und konnte sich somit erkl\u00e4ren, wo er war und das er nun das Schicksal mit vielen von seinen Experimenten teilte. Das\u00a0 allein reichte schon, um ihn mit einer gewissen Zufriedenheit zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Als Clark nur wenig sp\u00e4ter- erf\u00fcllt von Entschlossenheit und unb\u00e4ndiger Neugier &#8211; in den Transportbereich der Maschine tritt, h\u00f6rt er noch von\u00a0 Susan den Ruf: &#8222;Hey Clark, schau mal. Heute ist eine besonders gro\u00dfe Sternschnuppe am Himmel. Das muss ein Meteor sein, oder wie man das nennt&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Verdammter Mist&#8220;\u00a0 Clarks Entt\u00e4uschung der letzten Monate brach in einer f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse\u00a0 gewaltigen Explosion aus ihm raus.\u00a0 Er war kurz davor\u00a0 sein Steuerger\u00e4t gegen eine Wand zu werfen, fasste sich aber schnell genug wieder.\u00a0 Ein Neues zu bauen h\u00e4tte ihn wieder einen Monat zur\u00fcckgeworfen.\u00a0 Er hatte schon oft \u00fcberlegt, es durch ein normales Tablett &hellip; <a href=\"https:\/\/mietkatze.de\/?p=1118\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Noch eine Kurzgeschichte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1118","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-privat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1118"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1201,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118\/revisions\/1201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mietkatze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}